KlimaNotizen Newsletter Nr.1:
Überschwemmungen an Elbe und Oder werden nicht häufiger.

Liebe Leser,

heute erscheint der Newsletter von Klimanotizen zum ersten mal. Die Idee dazu ist aus der Erfahrung geboren, dass es nicht einfach ist ausgewogene Informationen zum Thema Klimawandel zu erhalten. Dabei genießt dieses Thema hohe gesellschaftliche Aufmerksamkeit.

Einige der relevanten wissenschaftlichen Informationen, die für eine Meinungsbildung wichtig sind erreichen die breite Öffentlichkeit kaum. Dieses ist zumindest mein persönlicher Eindruck. Mit diesem Newsletter möchte ich die mir bekannten Meldungen auch Ihnen/Euch zugänglich machen.

Die untenstehende Untersuchung zu den Hochwässern an Elbe und Oder hatte mich bei ihrem Erscheinen sehr erstaunt. Monatelang debattierte ganz Deutschland über die Bedeutung der großen Überschwemmungen im Jahre 2002. Die meisten Beiträge schienen darin übereinzustimmen, dass es Ausdruck eines Trends im Zusammenhang mit dem Klimawandel sei, auch wenn es beim Einzelereignis nicht nachweisbar ist. Als nun Wissenschaftler in einer Studie feststellten, dass es überhaupt keinen Trend zu mehr starken Hochwässern an Oder und Elbe gibt, war das anscheinend kaum einem Medium eine Meldung wert.

Womit das hier also ein Thema für diesen Newsletter ist. Weitere Themen sind bereits in der Warteschlange.

Hannover, den 10.01.2004 - Klaus Öllerer


Informationsdienst Wissenschaft - idw - - Pressemitteilung
Universitaet Leipzig, 17.09.2003

Kein Anstieg in der Auftrittsrate extremer Hochwasser

Das Hochwasser der Elbe im August 2002 gab Anlass zu der Spekulation,
dass der anthropogene Treibhauseffekt zu einem Anstieg der Auftrittsrate
derartiger Extremereignisse im Klimasystem fuehre. Anhand historischer
Aufzeichnungen und Abflussdaten wurden jetzt am Leipziger Institut fuer
Meteorologie Hochwasserchronologien fuer die Fluesse Elbe und Oder
erstellt, die lueckenlos zurueck bis ins 11. Jahrhundert reichen. Wie
die Forscher um den Klimatologen Dr. Manfred Mudelsee in der aktuellen
Ausgabe des Magazins "Nature" nachweisen, gab es fuer beide Fluesse
innerhalb der letzten 80 bis 150 Jahre keinen signifikanten Anstieg der
Hochwasserauftrittsrate.

Grundlage fuer die Hochwasserchronologien sind die Weikinn'schen
"Quellentexte zur Witterungsgeschichte Europas", die von 1850 an viele
Jahrhunderte zurueck reichen, die historische Klimadatenbank CLIMDAT
(Zeitraum 1500 bis 1799) sowie Pegel- und Abflussmessungen (ab 1850).
Insgesamt wurden fuer beide Fluesse zusammen 615 Hochwasserereignisse
dokumentiert, die in drei Staerkeklassen eingeteilt wurden. Zudem wurde
nach Winter- und Sommerhochwassern differenziert.
Die statistische Analyse der Daten konzentrierte sich auf extreme
Ereignisse ab dem Jahr 1500. Dabei wurde festgestellt, dass es in der
Vergangenheit durchaus signifikante Aenderungen in der
Hochwasserauftrittsrate gab, etwa eine Abnahme von Winterhochwassern der
Elbe um das Jahr 1700.
Fuer die letzten Dekaden (seit 1850 im Falle der Elbe, seit 1920 im
Falle der Oder) fand man heraus, dass bei beiden Fluessen
Winterhochwasser immer seltener auftreten und kein Trend bei
Sommerhochwassern zu verzeichnen ist - ungeachtet der
Jahrhunderthochwasser im Juli 1997 (Oder) und August 2002 (Elbe). Diese
Ergebnisse wurden untermauert durch statistische Tests, die die
Robustheit der Trends gegenueber Messfehlern bewiesen.
Darueber hinaus konnten Simulationsuntersuchungen zeigen, dass der
Einfluss von Reservoirbau auf die Auftrittsraten extremer Hochwasser
vernachlaessigbar ist. Auch andere Flussbaumassnahmen, wie zum Beispiel
Laufverkuerzungen, hatten hoechstens minimalen Einfluss. Selbiges ist
ueber Entwaldung oder andere Landnutzungsaenderungen zu sagen.
Als Ursache fuer die geringere Auftrittsrate extremer Winterhochwasser
wird die Abnahme der Flussvereisungen angenommen. Wie die Weikinn'schen
Quellen oft sehr plastisch veranschaulichen, kann eine im Fruehjahr
unter Tauwetter brechende Eisdecke zu Wasserstauungen fuehren, welche
den Wasserstand betraechtlich erhoehen koennen. Ein Beispiel dafuer ist
das Hochwasser der Elbe im Februar/Maerz 1784. Die letzten Eishochwasser
der Elbe und der Oder waren im Jahr 1947. Das Ausbleiben von
hochwasserausloesenden Flussvereisungen selber mag an Temperaturzunahme
oder der Verschmutzung der Fluesse liegen.
Es wird betont, dass diese Befunde zwar nachweisen, dass die
Auswirkungen globaler Klimaaenderungen auf die regionale Hydrologie
vielfaeltig und kompliziert sein koennen, jedoch trotzdem nicht darauf
schliessen lassen, dass die Abwaertstrends (Winterhochwasser) bzw.
abwesenden Trends (Sommerhochwasser) auch in Zukunft weiter bestehen
werden. Fuer derartige Prognosen sind detaillierte regionale
Klimamodelle notwendig, welche durch ein globales Klimamodell
angetrieben werden und mit einem hydrologischen Modell gekoppelt sind.
Die weit zurueckreichenden lueckenlosen und raeumlich wie zeitlich
aufgeloesten Hochwasserchronologien der Elbe und der Oder koennen jedoch
fuer die Tests derartiger Modelle sehr hilfreich sein.

weitere Informationen:
Dr. Manfred Mudelsee, www.manfredmudelsee.com

Manfred Mudelsee, Michael Börngen, Gerd Tetzlaff & Uwe Grünewald
No upward trends in the occurrence of extreme floods in central Europe

Newsletter 1

 

Newsletter 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 Newsletter abonnieren

If the facts change, I'll change my opinion.
What do you
do, Sir?

(John Maynard Keynes)

KlimaNotizen will dazu beitragen, dass die öffentlichen Diskussionen zur allgemeinen Klimaentwicklung ausgewogener werden.
Daher stehen hier vor allem Informationen, die in der öffentlichen Wahrnehmung zu kurz zu kommen scheinen.
Und daher ist KlimaNotizen selbst auch nicht ausgewogen.
Wer sich ein möglichst objektives Bild über Erkenntnisse und Meinungen verschaffen möchte, sollte selbst alle Informationen zur Kenntnis nehmen.
Dabei können die angeführten Links sehr hilfreich sein.

Impressum:
Klaus Öllerer
Viktoriastr. 5A
D30451 Hannover
Germany
email: klaus.oellerer@oellerer.net
phone: +49 (0)170 / 92 60 771

Die Inhalte angeführter Links und Quellen werden von diesen selbst verantwortet.

Diese Site dient ausschließlich wissenschaftlichen Zwecken