KlimaNotizen – ergänzende Infos zum Klimawandel

Antarktis :
Kollabiert der Eispanzer - oder doch nicht ?

Liebe Leser,

die Vorstellung vom Schmelzen des antarktischen Eispanzers löst viel Furcht aus. Das ist auch verständlich, wenn man bedenkt, dass ein Abschmelzen den Meeresspiegel um 50 Meter steigen lassen würde. Nicht nur unsere Küstenstädte würden verschwinden.

In letzter Zeit ist es in den Medien relativ ruhig um die Antarktis geworden. Lediglich das Abbrechen größerer Eisstücke schürte in diesem Jahr noch einmal Ängste.

In einer neuen Broschüre “Globaler Klimawandel - Klimaschutz 2004” (0) beschreibt das Umweltbundesamt die Risiken des Klimawandels aus seiner Sicht. Auch der Anstieg der Meeresspiegel wird als Gefahr angeführt.
Der Bericht enthält eine Überraschung: Die Antarktis wird nicht einmal erwähnt - im Gegensatz zur Arktis. Eine Erklärung wird nicht angeführt.

Die Wochenzeitung die Zeit titelte diesbezüglich im Jahre 2002: “Das große Schmelzen hat begonnen”.(8) und dieser Tage melden die Medien, dass die globale Erwärmung das Eis am Südpol schneller schmelzen läßt als bisher angenommen.

Kommt die Katastrophe ? Wie sehen die Fakten aus ?

Womit das hier ein Thema für diesen Newsletter ist.

Weitere Themen sind in der Warteschlange.
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Für Infos, Anregungen und Meinungen bin ich dankbar.
Mehr gibt es außerdem auf der Homepage:
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Mit besten Grüßen

Klaus Öllerer
info@KlimaNotizen.de

Antarktis :
Kollabiert der Eispanzer - oder doch nicht ?

Der größte Teil der Antarktis hat sich abgekühlt
Abkühlung und Klimamodelle
Abbrechende Eisflächen
Das Eis der Westantarktis schwindet ...
... und das Eis der Westantarktis wächst
Standpunkte
(Umweltbundesamt, Greenpeace, Prof. Latif)
Abkühlung ist schlecht für das Leben

Die Antarktis hat sich in den letzten Jahrzehnten im Durchschnitt abgekühlt. Unterschiedliche Meldungen gibt es aus der Westantarktis.

Die Erforschung der Antarktis ist noch nicht sehr alt. Sie wurde erst 1820 von jeweils einem russischen, amerikanischen und britischen Schiff entdeckt. Am 7. Februar 1821 setzte als erster Mensch der Robbenjäger John Davis (USA) seinen Fuß an Land. (1)

Antarktis (1)
großes Bild (186 KB)

Die meisten Experten sind sich seit langem einig, dass die Eisdecke der Antarktis während der vergangenen Jahrtausende deutlich geschrumpft ist. (9)

Die Messung des Klimas der Antarktis reicht noch nicht lange zurück. Die älteste hier gefundene Temperaturreihe (2) beginnt im Jahre 1944.

Der größte Teil der Antarktis hat sich abgekühlt
In einer Studie haben Forscher der Universität von Illinois festgestellt, dass die Antarktis sich in den letzten Jahrzehnten (1966 bis 2000) im Durchschnitt abgekühlt hat. Besonders im Sommer und Herbst war dieses festzustellen.(4)

Jährlicher Temperaturtrend 1966-2000 in der Antarctis (4) ermittelt durch Landstationen und Schiffsmessungen. Die grauen, grünen und blauen Flächen zeigen keine Erwärmung bis Abkühlung.
(Sattelitenmessungen von 1979-2003 bestätigen diesen Trend über der Antarktis, zeigen jedoch über den Ozeanen ebenfalls Abkühlung - siehe Grafik in Newsletter 3)

Diese Ergebnisse werden ebenfalls gestützt durch die beobachtete Verlängerung der Eissaison. Die NASA stellte 2002 fest, dass die Mehrheit der Flächen um die Antarktis immer früher vereisen.
Von 1979 bis 1999 liegen diese Daten durch Sateliten vor. Sie zeigen, dass durchschnittlich die Flächen, auf denen die Eissaison sich um einen Tag/Dekade vergrößert hat, doppelt so groß sind wie die Flächen, auf denen sie sich um einen Tag/Dekade verkürzt hat. (3)

Blaue bis grüne Flächen zeigen frühere und gelbe bis rote Flächen spätere Vereisung. Weiße Flächen sind unverändert. (3)

Abkühlung und Klimamodelle
Die Abkühlung der Antarktis steht in Widerspruch zu der Vorhersage von Klimamodellen, wie sie zur Voraussage einer allgemeinen menschenverursachten Klimaerwärmung verwendet werden. Danach sollten sich vor allem die Polarregionen am stärksten erwärmen.(4)
Dieser Widerspruch wird von Kritikern häufig angeführt, um die Vorhersage-Zuverlässigkeit von Modellen zu bezweifeln.

Abbrechende Eisflächen
In den letzten Jahren fanden einige spektakuläre große Eisabbrüche statt.

Duell der Giganten. Die Rieseneisberge C-19 und B-15a behindern sich gegenseitig. (5)

“Die Geburt solcher Eisgiganten ist in der Antarktis jedes Jahr zu beobachten. Das Kalben von Eisbergen ist Teil des natürlichen Kreislaufs des Eisschildes. Während auf der Seeseite dadurch große Eismengen verloren gehen, bildet sich im Landesinneren durch Schneefälle neues Eis nach. Die Wissenschaft untersucht, ob das durch Niederschläge nachwachsende Eis die Masseverluste am Rande des Eisschildes ausgleicht. Jedes Ungleichgewicht in diesem Zyklus würde sich auf die Höhe des weltweiten Meeresspiegels auswirken. Dabei geht es um gewaltige Wassermassen: Würde der gesamte antarktische Eisschild abschmelzen, so stiege der Pegel der Ozeane um mehr als 50 m an. Schon vor seinem Abbrechen schwamm der Eisberg C-19 als Teil des Schelfeises im Meer. Dadurch kann der Eisriese – auch nach dem kompletten Schmelzen – die Höhe des Meeresspiegels nicht beeinflussen.”(5)

Das Eis der Westantarktis schwindet ...
Meldungen über schwindendes Eis kommen aus der Amundsen See in der Westantarktis.
Normalerweise wirken Eisplatten wie ein Korken gegen das nachrückende Eis. Derzeit rutscht jedoch mehr Eis nach als sich weiter im Inland durch Niederschläge neu bildet. Dieses wirkt sich bis zu 300 km ins Inland hinein aus.
Die NASA gibt den derzeitigen Beitrag zum Anstieg des Meeresspiegels mit 0,2 mm/Jahr oder 10% an. Kompensatorische Zuwächse an Eis an anderen Stellen der Antarktis sind nicht berücksichtigt.
Das in die Amundsen See fließende Eis kann mit der Zeit wieder wie ein Korken wirken und den Fluss verlangsamen.
Derzeit kann niemand sagen, ob diese Vorgänge Teil eines natürlichen Zyklusses sind oder zu einem langfristigen Trend gehören. Dazu ist der Beobachtungszeitraum zu kurz. (6)

... und das Eis der Westantarktis wächst
Ebenfalls aus der Westantarktis gibt es Meldungen über wachsendes Eis:
“Forscher überrascht: Plus von jährlich 26,8 Milliarden Tonnen
Die Eismassen der westlichen Antarktis nehmen jüngsten Daten zufolge mit hoher Wahrscheinlichkeit zu, statt wie bislang vermutet zu schmelzen. Das Eis des Ross Eisstromes in der Westantarktis wachse um jährlich 26,8 Milliarden Tonnen, berichten die Glaziologen Ian Joughin vom California Institute of Technology und Slawek Tulaczyk von der University of California im Journal "Science".
(7)

Die Vorgänge in der Westantarktis scheinen insgesamt kompliziert zu sein. Die größten Risiken für ein Ansteigen des Meeresspiegels liegen hier. Ob es Zusammenhänge mit globalen menschlichen Aktivitäten gibt, weiß niemand.

“Die meisten Experten sind sich seit langem einig, dass die Eisdecke der Antarktis während der vergangenen Jahrtausende deutlich geschrumpft ist. ...
Sie
(die Westantarktis) wird - so unsere vorsichtige Prognose auf der Grundlage der bisherigen Erkenntnisse - zwar weiter schrumpfen, aber nur sehr langsam über einen Zeitraum von Jahrtausenden hinweg. Dabei dürfte sich ihr durchschnittlicher Beitrag zum Anstieg des Meeresspiegels etwa verdoppeln: von bisher zwei auf vier Millimeter pro Jahr - oder einen Meter alle 500 Jahre. Seufzer der Erleichterung sind dennoch nicht angebracht. Schließlich hat dieser bemerkenswerte Eispanzer die Forscher über dreißig Jahre lang genarrt und ist daher immer für Überraschungen gut.” (9)

Vielleicht ist es realistisch das Gefahrenpotenzial der Westantarktis mit dem von Vulkanen oder Erdbeben zu vergleichen. Es ist uns latent bewusst, dass etwas passieren kann und wir leben damit. Der Vorteil bei der Antarktis liegt vielleicht darin, dass Abschmelzvorgänge über einen Zeitraum von Jahrhunderten und Jahrtausenden ablaufen und der Menschheit daher genug Gelegenheit zur Anpassung gegeben wird.
Es kann aber auch ganz anders kommen, da wir uns langfristig auf die nächste Eiszeit zubewegen und niemand weiß, wie sich, neben anderen Einflüssen, unsere Sonne zukünftig verhalten wird.

Standpunkte
Umweltbundesamt, Mai 2004
Die Antarktis ist der kälteste Teil der Erde, die Temperaturen sind so niedrig, dass (von der antarktischen Halbinsel abgesehen) bis jetzt kein Tauprozess eingesetzt hat. Durch die Erwärmung der Ozeane ergibt sich eine höhere absolute Feuchte der Atmosphäre,so dass durch Niederschlag und Kondensation an dieser Kältefalle die Menge des Eises sogar zunehmen kann.” (10)
Es wird der Eindruck erweckt, dass die Antarktis sich erwärmt hat. Die durchschnittliche Abkühlung wird verschwiegen.

Greenpeace
“Das Eis der Polkappen taut. In der Antarktis brechen Eisflächen von der Größe Jamaikas ab, driften ins Meer und schmelzen. ...
Die Treibhauswärme nagt auch am Eis über dem antarktischen Kontinent. Große Teile der Eisschilde sind in jüngster Zeit geschmolzen bzw. befinden sich im Auflösungsprozess, viele der antarktischen Gletscher ziehen sich zurück. ...”
(11)
Greenpace stellt hier die falsche Behauptung auf, dass die Antarktis schmilzt. Der Leser erfährt nicht, dass die Antarktis sich abgekühlt hat und das auch das Abbrechen großer Eisflächen ein natürlicher Prozess ist.

Prof. Mojib Latif in der Zeit 14/2002:
“Das große Schmelzen hat begonnen
Abbrechende Eisberge, schwere Überschwemmungen und andere Folgen der globalen Erwärmung
...
Das Abbrechen riesiger Eismassen in der Antarktis vor wenigen Tagen hat die Klimaproblematik wieder in den Blickpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt. Die Ursachen für dieses spektakuläre Ereignis sind zwar noch nicht eindeutig geklärt, doch eines steht fest: Der globale Klimawandel ist in vollem Gange. ...”
(8)
Prof. Latif formuliert keinen Satz so, dass er für sich genommen falsch wäre. Der Zusammenhang jedoch suggeriert, dass die Antarktis schmilzt. Es fehlt jeder Hinweis auf die tatsächlich stattfindende überwiegende Abkühlung.

Abkühlung ist schlecht für das Leben
“Zahl der Tiere verringert sich
Diese Abkühlung hatte bereits deutliche und schnelle Auswirkungen auf das karge Ökosystem des Gebiets: Die biologische Produktivität der im Sommer eisfreien Seen in den Tälern sank drastisch. Die Zahl der Bärtierchen und Fadenwürmer im Boden verringerte sich von 1993 bis 1998 pro Jahr im Schnitt sogar um mehr als ein Zehntel des Ausgangswertes.
Die neuen Daten zeigten erstmals die dramatischen Auswirkungen der Abkühlung auf das Ökosystem der antarktischen Trockentäler, schreibt Doran.”
(12)

01.11.2004 Klaus Öllerer
letztes Update: 03.11.2004

Quellen:

0. Umweltbundesamt
GLOBALER KLIMAWANDEL Klimaschutz 2004

1. Antarktis bei Wikipedia

2. GISS - Goddard Institute for Space Studies

3. Goddard Space Flight Center, 22.08.2002:
SATELLITES SHOW OVERALL INCREASES IN ANTARCTIC SEA ICE COVER

4. nature v. 29.01.2002, Peter T. Doran, John, C. Priscu et al:
Antarctic climate cooling and terrestrial ecosystem response

5. ESA Lokale Nachrichten Deutschland v. 24.10.2002:
Kampf der Giganten im ewigen Eis

6. NASA News v. 23.09.2004
Scientists Report Increased Thinning of West Antarctic Glaciers

7. ZDF
Eis in der Westantarktis wächst

8. Prof Mojib Latif in der Zeit 14/2002:
“Das große Schmelzen hat begonnen
Abbrechende Eisberge, schwere Überschwemmungen und andere Folgen der globalen Erwärmung
Mojib Latif
Das Abbrechen riesiger Eismassen in der Antarktis vor wenigen Tagen hat die Klimaproblematik wieder in den Blickpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt. Die Ursachen für dieses spektakuläre Ereignis sind zwar noch nicht eindeutig geklärt, doch eines steht fest: Der globale Klimawandel ist in vollem Gange. ...”

9. Spektrum der Wissenschaft Februar 2003
Charles R. Bentley und Robert A. Bindschadler, Auf dünnem Eis

10. Umweltbundesamt
KLIMAÄNDERUNG v. Mai 2004

11. Greenpeace
Gletscherschmelze weltweit

12. ZDF
Antarktis wird trotz Klimaerwärmung kälter
Deutliche Auswirkungen auf das Ökosystem messbar

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