KlimaNotizen – ergänzende Infos zum Klimawandel
Arktis :
Grönlandeis ade - oder doch nicht ?
Liebe Leser,
in den letzten Wochen schlugen die Medien Alarm. “Die Arktis schmilzt immer schneller” war zusammengefasst das Fazit eines Berichtes "Arctic Climate Impact Assessments" (ACIA). Die Ursache sei der Mensch mit seinen Treibhausgasemissionen.
Die umfangreichste Eismasse befindet sich in Grönland, dem sich ein Teil des Berichtes widmet. Wenn dieses Eis schmilzt, steigt der Meeresspiegel um ca. 7m.
Von hier stammen auch die genauesten und längsten Temperaturmessungen der Vergangenheit aus den Eiskernen. Wenn man das Klima heute verstehen will, so muss man sich mit der Vergangenheit beschäftigen.
Der Bericht enthält Überraschungen - durch das, was er zeigt, und noch mehr durch das, was er nicht zeigt.
Womit das ein Thema für diesen Newsletter ist.
Weitere Themen sind in der Warteschlange.
...
Für Infos, Anregungen und Meinungen bin ich dankbar.
Mehr gibt es außerdem auf der Homepage:
www.KlimaNotizen.de
Mit besten Grüßen
Klaus Öllerer
info@KlimaNotizen.de
Arktis :
Grönlandeis ade - oder doch nicht ?
Grönland
Temperaturen seit Beginn der Messungen
Temperaturen in den letzten 8000 Jahren
Standpunkte :
Max Planck Institut für Metereologie, Prof. Stefan Rahmstorf,
ACIA :
1. Temperaturen des letzten Jahrhunderts ?
2. Erwärmung oder Abkühlung ?
3. Temperaturen der letzten 2000 Jahre
4. Eisschmelze
Warum ist der Blick in die Vergangenheit so wichtig ?
Wie geht es weiter mit dem Grönlandeis ?
Die Temperaturen in Grönland steigen seit ca. 15 Jahren an, nachdem sie seit 1930 ständig gesunken waren. Aufgrund des Temperaturverlaufes der Vergangenheit liegt die Vermutung nahe, dass es sich bei der Erwärmung im 20. Jahrhundert ganz oder hauptsächlich um einen natürlichen Zyklus handeln könnte.
Grönland
ist eine faszinierende Insel. Ein kleiner Randstreifen ist für die Besiedlung geeignet, während der komplette Rest von einem bis zu drei Kilometer dicken Eispanzer niedergedrückt wird. Das gepresste Eis ist ein einzigartiges Klimaarchiv. Temperaturmessungen an Messstationen dagegen gibt es erst seit dem 19. Jahrhundert.
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Es herrscht polares und subpolares Klima, das an der Westküste durch den Golfstrom gemildert wird. Die Temperatur auf dem Inlandeis hat ein absolutes Temperaturminimum von - 70 °C; im Sommer kommt sie bis an 0 °C heran. Die Küstenstreifen, an der Westküste bis 150 km breit, und alle vorgelagerten Inseln sind eisfrei und haben Tundravegetation, die nach Norden hin stark abnimmt. (3)
Das Eis ist ein Überbleibsel der Eiszeit, misst bis zu 3000 m und ist im Durchschnitt 1500 m dick.
Wikinger begannen die Besiedlung 986.
Klimatologen sind der Ansicht, daß die Region des Nordatlantiks insgesamt zwischen dem 9. und dem 12. Jahrhundert ein vergleichsweise mildes Klima erlebte, was es ermöglichte, heute unfruchtbares Land zu benutzen, um Futterpflanzen anzubauen, so daß Vieh gezüchtet und im Winter im Haus untergebracht werden konnte. ... Hier konnte man Flächen mit sanftgewellten, vergleichsweise tiefgelegenen Weiden finden. Zumindest hierfür scheint zuzutreffen, was der Verfasser des Königsspiegels im 13. Jahrhundert niederschrieb: ”Es gibt große und schöne Bauernhöfe auf Grönland.” (6)
Als im 16. Jahrhundert eine allgemeine Abkühlung einsetzte, verschwanden die Wikinger auf ungeklärte Weise aus ihren Siedlungsgebieten.
Temperaturen seit Beginn der Messungen
Es gibt nur wenige Messstationen, die mit den Messungen vor 1900 begannen. Stationen, die später starteten, fügen sich im Wesentlichen in den Gesamtverlauf ein. (5)
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Die heutigen Temperaturen sind eher niedriger als die der 30er Jahre. Der Temperaturanstieg seit 1990 erfolgt vergleichbar rasch wie der von 1920 zu 1930.
Im Durchschnitt ist die Temperatur seit 1930 gesunken (langsame Abkühlung gefolgt von fast so starker, jedoch rascherer Erwärmung)
Temperaturen in den letzten 8000 Jahren
Die anerkannte Wissenschaftlerin D. Dahl-Jensen und andere Autoren veröffentlichten in Science eine Studie (8) über die Auswertung der Eiskerne GRIP und Dye 3. Dabei veröffentlichten sie folgende Grafik.
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Die Autoren schreiben:
Um das Jahr 1000 war es in Grönland 1 Grad wärmer als heute. Nach der kleinen Eiszeit (bis 1860) erreichten die Temperaturen um 1930 einen Höhepunkt, sind in den letzten Jahrzehnten gesunken und es wurde keine Erwärmung in Grönland in den letzten Jahrzehnten beobachtet. Die Daten stimmen mit den Werten von Messstationen der jüngsten Zeit überein.
Dye 3 ist nahezu identisch mit GRIP bis 7000 Jahre zurück. Die beobachteten Differenzen der Amplituden zwischen den beiden Standorten ist ein Ergebnis unterschiedlicher Einflüsse der atmosphärischen Zirkulation besonders im Zeitrahmen eines Jahrtausends.
Das soll heißen, dass Dye 3 stärker auf Veränderungen reagiert als GRIP (höhere Variabilität). So ist es auch zu erklären, dass Dye 3 um 1930 und 1700 wärmer und 1860 kühler war als GRIP.
Schlussfolgerung
Die gegenwärtige Erwärmung erscheint nach obigen Daten im Zeit- und Temperaturverlauf nicht ungewöhnlich und auch nicht unerwartet zu sein verglichen mit der jüngeren und der ferneren Vergangenheit.
Standpunkte
Warum ist der Blick in die Vergangenheit so wichtig ?
Es ist schwierig oder gar unmöglich, zwischen natürlicher Klimaentwicklung und einer durch den Menschen beeinflußten Klimaschwankung zu unterscheiden. Will man das natürliche Klimasystem verstehen, so hilft nur der Blick zurück und zwar in Zeitabschnitte der Vergangenheit, in denen der Mensch nicht oder nur sehr wenig aktiv war. Nur die Zusammenschau von Rekonstruktionen der Klimavergangenheit und heutiger moderner Klimaanalysen kann zu einer realistischen Einschätzung der zukünftigen Klimaentwicklung führen. (17)
Wie geht es weiter mit dem Grönlandeis ?
Bericht ACIA: Klimamodelle projektieren eine lokale Erwärmung in Grönland, die 3 Grd C in diesem Jahrhundert erreichen wird. (1, S. 33)
Der Umgang mit den Fakten der Vergangenheit im Bericht ACIA deutet darauf hin, dass die Autoren ein Problem damit haben könnten das bisherige Klima zu erklären. Das lässt Zweifel an der Fähigkeit aufkommen die Zukunft vorhersagen zu können.
Ich persönlich glaube nicht, dass jemand das Klima in Grönland auch nur halbwegs zuverlässig vorhersagen kann. Die regionalen Verhältnisse hängen wesentlich vom Verlauf von Meeres- und Atmosphärenströmungen ab, die sich bisher der zuverlässigen Modellierung entziehen.
12.12.2004
Klaus Öllerer
letztes Update: 12.01.2005
Quellen:
1. Arktische Konferenz - Arctic Climate Impact Assessment (ACIA)
Impacts of a Warming Arctic: Arctic Climate Impact Assessment
ACIA, Impacts of a Warming Arctic: Arctic Climate Impact Assessment. Cambridge University Press, 2004, http://www.acia.uaf.edu
3. Wikinger in Grönland
http://de.wikipedia.org/wiki/Gr%C3%B6nland, Stand: 12.11.2004
4. NGRIP
http://www.glaciology.gfy.ku.dk/ngrip/hovedside_eng.htm
5. GISS - Goddard Institute for Space Studies
aufbereitet von Willis Eschenbach mit 17 year gaussian averages
http://www.giss.nasa.gov/data/update/gistemp/station_data/
Es gibt nur wenige Messstationen, die mit den Messungen vor 1900 begannen. Aus Nordgrönland (Danmarkshavn) gibt es nur wenige unvollständige Messreihen. Stationen, die später starteten, fügen sich in den Gesamtverlauf ein. So scheinen die Temperaturverläufe (5) repräsentativ für ganz Grönland zu sein.
6. Bildatlas der Weltkulturen DIE WIKINGER
1997, ISBN 3-86047-789-7
7. Max Planck Institut für Metereologie
http://www.mpimet.mpg.de/dynindex.php?s=http://www.mpimet.mpg.de/de/web/education/faq8.html
8. SCIENCE 1998 VOL 282 www.sciencemag.org
D. Dahl-Jensen, K. Mosegaard, N. Gundestrup, G. D. Clow, S. J. Johnsen, A. W. Hansen, N. Balling
Past Temperatures Directly from the Greenland Ice Sheet
13. Prof. Stefan Rahmstorf auf seiner Homepage
http://www.pik-potsdam.de/~stefan/leser_antworten.html
14. http://www.co2science.org/temperatures/ghcn.htm
15. GISP2 Eiskern bis 1987
Ursprungsdaten zur Verfügung gestellt von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe,
www.bgr.de, (Dekade: Jahreszahl +/- 5 Jahre gemittelt)
|
Dekade |
Abweichung C |
|
1932 |
0,83 |
|
1937 |
0,81 |
|
1221 |
0,81 |
|
1220 |
0,80 |
|
1222 |
0,79 |
|
1938 |
0,76 |
|
1556 |
0,76 |
|
1936 |
0,76 |
|
1223 |
0,74 |
|
1933 |
0,73 |
16. Das Jahr 2002 und der Zeitraum 1992-2002 belegen im Ranking der wärmsten Sommer, der wärmsten Jahresdurchschnitte und der wärmsten 11-Jahresdurchschnitte nur hintere Plätze. Die Temperaturbedingungen für Schmelzflächen waren in Grönland vor 1950 größer, als in den letzten Jahrzehnten.
Es gibt nur zwei Messstationen auf Grönland mit vollständigen Messwerten im 20. Jahrhundert bis heute, die hier im Folgenden ausgewertet sind.
Datenquelle: GISS - Goddard Institute for Space Studies
|
summer J-J-A |
|
annual mean |
|
11 year mean |
||||||
|
Ranking |
year |
C |
Ranking |
year |
C |
Ranking |
year |
C |
||
|
1 |
1948 |
8,03 |
1 |
1941 |
1,17 |
1 |
1936-1926 |
-0,04 |
||
|
2 |
1931 |
7,97 |
2 |
1947 |
0,97 |
2 |
1937-1927 |
-0,19 |
||
|
3 |
1928 |
7,93 |
3 |
1929 |
0,93 |
3 |
1933-1923 |
-0,28 |
||
|
4 |
1929 |
7,7 |
4 |
1936 |
0,69 |
4 |
1934-1924 |
-0,30 |
||
|
5 |
1900 |
7,67 |
5 |
1977 |
0,45 |
5 |
1935-1925 |
-0,30 |
||
|
6 |
1935 |
7,63 |
6 |
1928 |
0,43 |
6 |
1942-1942 |
-0,33 |
||
|
7 |
1941 |
7,63 |
7 |
1932 |
0,39 |
7 |
1938-1928 |
-0,34 |
||
|
8 |
1960 |
7,6 |
8 |
1960 |
0,29 |
8 |
1941-1941 |
-0,36 |
||
|
9 |
1936 |
7,57 |
9 |
1965 |
0,23 |
9 |
1966-1956 |
-0,42 |
||
|
10 |
1942 |
7,53 |
10 |
1872 |
0,21 |
10 |
1939-1929 |
-0,43 |
||
|
... |
... |
... |
... |
... |
... |
... |
... |
... |
||
|
84 |
2002 |
5,53 |
|
60 |
2002 |
-1,1 |
|
77 |
2002-1992 |
-1,76 |
|
summer J-J-A |
|
annual mean |
|
11 year mean |
||||||
|
Ranking |
year |
C |
Ranking |
year |
C |
Ranking |
year |
C |
||
|
1 |
1932 |
7,57 |
1 |
1929 |
0,78 |
1 |
1936-1926 |
-0,11 |
||
|
2 |
1947 |
7,4 |
2 |
1939 |
0,76 |
2 |
1935-1925 |
-0,13 |
||
|
3 |
1936 |
7,3 |
3 |
1928 |
0,71 |
3 |
1937-1927 |
-0,18 |
||
|
4 |
1933 |
7,27 |
4 |
1941 |
0,52 |
4 |
1948-1938 |
-0,24 |
||
|
5 |
1950 |
7,23 |
5 |
1932 |
0,48 |
5 |
1942-1932 |
-0,24 |
||
|
6 |
1939 |
7,13 |
6 |
1947 |
0,43 |
6 |
1934-1924 |
-0,28 |
||
|
7 |
1942 |
7,1 |
7 |
1942 |
0,18 |
7 |
1939-1929 |
-0,28 |
||
|
8 |
1941 |
6,93 |
8 |
1946 |
0,14 |
8 |
1947-1937 |
-0,28 |
||
|
9 |
1931 |
6,87 |
9 |
1945 |
0,02 |
9 |
1938-1928 |
-0,28 |
||
|
10 |
1916 |
6,8 |
10 |
1950 |
-0,07 |
10 |
1949-1939 |
-0,30 |
||
|
... |
... |
... |
|
|
|
... |
... |
... |
||
|
38 |
2002 |
6,17 |
|
11 |
2002 |
-0,08 |
|
39 |
2002-1992 |
-1,12 |
17. Klimafakten
Der Rückblick - Ein Schlüssel für die Zukunft
ISBN 3-510-95872-1

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If the facts change, I'll change my opinion. KlimaNotizen will dazu beitragen, dass die öffentlichen Diskussionen zur allgemeinen Klimaentwicklung ausgewogener werden. |
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