KlimaNotizen – ergänzende Infos zum Klimawandel

 
Arktis :
Alaska und der Temperatursprung

Liebe Leser,

Alaska - das Land der Bären, Wölfe und viel unberührter Natur lässt die Herzen aller Reisenden höher schlagen. Doch die Freude erscheint zunehmend getrübt.

“Bald Ananas aus Alaska? - Die Arktis schmilzt und die Industriestaaten schauen zu” betitelte die Naturschutzorganisation WWF eine dramatische Pressemeldung.(11)
Anlass war die Veröffentlichung des Berichtes "Arctic Climate Impact Assessments" (ACIA).
Dort heißt es, dass der Mensch mit seinen Treibhausgasemissionen an der Klimaerwärmung Schuld sei.

Ein Blick auf die Fakten jedoch irritiert: Seit 27 Jahren hat sich die Temperatur in Alaska praktisch nicht erhöht.
Diese und weitere Informationen sind nicht beim WWF und auch nicht im Bericht ACIA zu lesen.

Womit das ein Thema für diesen Newsletter ist.

Weitere Themen sind in der Warteschlange.
...
Für Infos, Anregungen und Meinungen bin ich dankbar.
Mehr gibt es außerdem auf der Homepage:
www.KlimaNotizen.de

Mit besten Grüßen

Klaus Öllerer
info@KlimaNotizen.de

 

Arktis :
Alaska und der Temperatursprung

Alaska
Temperaturen der jüngsten Vergangenheit
Temperaturen der letzten 2000 Jahre
Pacific Decadal Oscillation (PDO)
Schlussfolgerung
Standpunkte:
ACIA: 1. Temperaturverlauf der jüngsten Vergangenheit, 2. Temperaturverlauf der letzten 2000 Jahre, Fazit
Ausblick

1976 erfolgte innerhalb eines Jahres ein Temperatursprung von 1,7°C. Als Ursache gilt die Pacific Decadal Oscillation (PDO).
Seit 1977 hat sich die Temperatur in Alaska im Durchschnitt praktisch nicht mehr erhöht.

Alaska
ist der flächenmäßig größte Bundesstaat der USA. Der nördliche Teil oberhalb des Polarkreises zählt offiziell zur Arktis.

(1)
große Karte

Alaska hat 650.000 Einwohner, davon sind 50.000 Inuit, Aleuten und Indianer (höchster Prozentsatz in den USA). Neben der Hauptstadt Juneau sind Anchorage und Fairbanks wichtige Städte. ...
Durch den vielen Wald in Alaska ist die Holz- und Papierindustrie natürlich eine wichtige Einnahmequelle. In den Bergen wird Gold, Kupfer, Silber, Blei, Zinn und Eisen abgebaut. In der Fischerei wird überwiegend Lachs und Kabeljau exportiert. In Alaska gibt es Kohlevorkommen ...(1)
1968 wurden bedeutende Ölvorkommen entdeckt.

Außer in Südalaska und Südostalaska herrscht in ganz Alaska Permafrost. Das bedeutet, daß der Boden dauernd, bis zu 300m tief, fest gefroren ist. Nur im Sommer taut die oberste Schicht für eine kurze Zeit auf. Trotzdem ist Alaska nicht wie viele meinen eine Eisbox, durch seine hohen Gebirge und die Lage an drei Meeren hat es sehr verschiedene Klimazonen. So kann man Alaska in 3-5 verschiedene Klimazonen einteilen;

Temperaturen der jüngsten Vergangenheit
Erst seit 1949 gibt es zuverlässige Messungen für ganz Alaska. Das Alaska Climate Research Center (2) hat den Verlauf untersucht und in folgender Grafik dargestellt.

2009.12.09_Alaska_temp_dep_49-08_F_sm_1
(2.1)
Jahresdurchschnittstemperaturen in Alaska

Dieser Temperaturverlauf birgt Überraschungen:
Seit 1977 hat sich die Durchschnittstemperatur in Alaska praktisch nicht erhöht.
Ein einziger Temperatursprung 1976 innerhalb eines Jahres brachte die Temperatur um ca. 1,7°C nach oben.
Die Autoren schreiben, dass ein solcher nichtlinearer Trend nicht zu erwarten ist vom stetigen Anstieg des CO2 in der Atmosphäre.
Als Ursache für den Temperatursprung wird eine Phasenverschiebung der Pacific Decadal Oscillation (PDO) 1976 angeführt. Damals wechselte die PDO von einer negativen zu einer positiven Phase. Damit verbunden sind wärmere Temperaturen in Alaska, schreiben die Autoren.


2.2 Temperaturangaben in Fahrenheit (4)
Erwärmung und Abkühlung in Alaska von 1977-2003.
Im Durchschnitt ergibt sich ein geringfügiger Trend von +0,3°F=+0,17°C

Temperaturen der letzten 2000 Jahre
Die Forscher Feng Sheng Hu und andere untersuchten See-Sedimente des Farewell Lake, um die Temperaturen in den letzten 2000 Jahren zu ermitteln. Als Begründung für ihre Studie stellen sie fest, dass der Mangel an Klimainformationen über längere Zeiträume hinweg unser Verständnis über die Natur und die Ursachen der gegenwärtigen Erwärmung erschwert. Ihre Ergebnisse stellen sie in folgender Grafik dar.


(5)

Diese Aufzeichnung zeigt drei Perioden vergleichbarer Wärme in den Zeiträumen 0-300, 850-1200 und im 20. Jahrhundert nach Christus (AD).

Die gegenwärtige Erwärmung erscheint nach obigen Daten im Zeit- und Temperaturverlauf nicht ungewöhnlich und auch nicht unerwartet zu sein verglichen mit den letzten 2000 Jahren.

Pacific Decadal Oscillation (PDO)
Alaska grenzt mit seiner Südküste an den Pazifik und wird daher von diesem größten Meer der Erde klimatisch stark beeinflusst.
Die PDO ist eine abrupte Änderung der Wassertemperatur im Pazifik. Alle 20-30 Jahre kommt es zu einem großräumigen Wechsel von kalt nach warm und umgekehrt.
Solche abrupten Wechsel fanden 1925 (warm), 1947 (kalt) und 1977(warm) statt. Die Erforschung dieses Phänomens ist noch sehr jung. 1996 erst wurde der Name Pacific Decadal Oscillation (PDO) von Steven Hare von der University of Washington eingeführt. Zusammen mit anderen Forschern hatte er dieses Phänomen entdeckt und bis 1900 zurückverfolgt.(6)
Es scheint so, dass es auch noch zusätzlich einen 60-Jahres-Zyklus gibt, der Alaska erwärmt, Grönland abkühlen lässt und umgekehrt.(7) Die PDO entzieht sich bisher der Modellierung im Computer. (9)
Es gibt noch großen Forschungsbedarf.

Schlussfolgerung
Seit 1977 hat sich die Temperatur in Alaska im Mittel praktisch nicht erhöht.
Das Klima in Alaska wird bestimmt von Meeres- und atmosphärischen Strömungen, die längst noch nicht ausreichend verstanden sind. Die gegenwärtigen Trends scheinen nicht außerhalb der natürlichen Variabilität der letzten 2000 Jahre zu liegen, sondern fügen sich eher folgerichtig ein.
Der Anteil der menschlich erzeugten Treibhausgase am Geschehen erscheint gegenwärtig nicht abschätzbar.

Standpunkt

Arktische Konferenz - Arctic Climate Impact Assessment (ACIA) (8)
Der Bericht "Arctic Climate Impact Assessment" (ACIA) soll politischen Entscheidungsträgern dabei helfen die richtigen Beschlüsse zum Schutze der Arktis zu treffen. Er wurde für den Arktischen Rat, einem Gremium der Arktis-Anrainerstaaten, hergestellt. Hunderte Wissenschaftler waren an der Herstellung beteiligt, die vier Jahre lang dauerte.
Der Bericht ACIA sieht als Hauptursache für den arktischen Klimawandel den Menschen und seine Emissionen an. Alternativen Erklärungen wird keine große Bedeutung zugestanden.
Möglicherweise liegt hier ein Grund, warum der Bericht mit manchen Fakten ein Problem zu haben scheint.
Im Folgenden wird die Darstellung der Temperaturen in Alaska in diesem Bericht einer Betrachtung unterzogen.

1. Temperaturverlauf der jüngsten Vergangenheit
Es fehlt im Bericht ACIA eine Darstellung der Temperaturen in Alaska der letzten Jahrzehnte.
Außerdem werden bezogen auf Alaska weder die Pacific Decadal Oscillation (PDO) noch der Temperatursprung von 1976 im Bericht ACIA erwähnt, obwohl dieses zum Verständnis der Temperaturen dort absolut notwendig ist.(10)
Eine Darstellung des Temperaturverlaufes der letzten Jahrzehnte wie in Grafik (2.1) könnte den Eindruck erwecken, dass es keine Gemeinsamkeit gibt zwischen dem stetigen Ansteigen von CO2 in der Atmosphäre und den Temperaturen in Alaska.
Ob es die Absicht der Autoren des Berichtes ACIA war einen solchen Eindruck zu vermeiden, können diese nur selbst beantworten.

2. Temperaturverlauf der letzten 2000 Jahre
Eine Darstellung der Temperaturen der letzten Jahrtausende fehlt im Bericht ACIA völlig.
Eine Grafik der Temperaturen der letzten 2000 Jahre (5) könnte beim Leser den Eindruck erwecken, dass die Erwärmung im 20. Jahrhundert nicht einzigartig, sondern Teil einer natürlichen Schwankung ist.
Ob die Vermeidung eines solchen Eindruckes die Absicht der Autoren des Berichtes ACIA war, können diese nur selbst beantworten.

Fazit
Wie bereits im Falle Grönland gezeigt (Newsletter 11) stellt der Bericht ACIA auch im Falle Alaska eine selektive Auswahl der Fakten dar. Es kann der Eindruck entstehen, dass versucht wird faktenunabhängig ein bestimmtes Bild zu zeichnen: Alaska leidet unter einer beispiellosen menschengemachten Klimaerwärmung.
In der Tradition erfolgreicher Werbung werden nützliche Informationen betont und in diesem Sinne unnütze Informationen weggelassen oder abgeschwächt.
Ob es diese Art von Informationen sind, die politische Entscheidungsträger für sachgerechte Entscheidungen benötigen, darf bezweifelt werden.
 

Ausblick
Es kann sein, dass Alaska zukünftig wärmer wird. Es kann aber auch sein, dass eine Umschaltung in eine Abkühlung erfolgt. Niemand kann es derzeit wissen.(7)

16.01.2005

Klaus Öllerer
letzte Aktualisierung: 09.12.2009

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Quellen

1. www.Wikipedia.de
Alaska

2. Alaska - The Last Frontier
A l a s k a - K l i m a
2.1 Temperature Change in Alaska: 1949 - 2003
2.2 Temperature Change in Alaska 1977-2003

3. Alaska Climate Research Center

4. Umrechnung Fahrenheit<->Celsius
F = (C * 9/5) + 32
C = (F - 32) * 5/9

5. Feng Sheng Hu, Emi Ito, Thomas A. Brown, B. Brandon Curry¶, and Daniel R. Engstromi
Pronounced climatic variations in Alaska during the last two millennia

6. Nasa: SCIENCE - El Niño/La Niña & PDO
Pacific Decadal Oscillation (PDO)

7. Nature v. 02.12.2003: Alaska's climate: Too hot to handle
“...It is also hard to tell how much of Alaska's climate change is due to global warming and how much to natural climate cycles. The Pacific Decadal Oscillation - an El Niño-like fluctuation of temperatures between the north and tropical Pacific that takes place over 20-30 years - flipped Alaska into a warming phase in the 1970s. The North Atlantic Oscillation has also contributed to warmer winters in Alaska since the late 1960s. But at the same time it has been associated with a 2-3 °C cooling just across the continent in Greenland. There seems to be a 60-year see-saw in temperatures between the east and west of this part of the Arctic: when one side heats up, the other cools down. In a few years, this could flip again and reverse Alaska's recent warming trend. No one yet knows....”

8. Arktische Konferenz - Arctic Climate Impact Assessment (ACIA)
Impacts of a Warming Arctic: Arctic Climate Impact Assessment
ACIA, Impacts of a Warming Arctic: Arctic Climate Impact Assessment. Cambridge University Press, 2004, http://www.acia.uaf.edu

9. http://www.sciencedaily.com/releases/2000/08/000802074737.htm
"What's striking is that the PDO pattern is similar in both the North and South Pacific and covers a huge area from the Aleutian Islands to the South Pacific," said Chao. "No computer models developed so far have been able to reproduce this symmetric pattern across the equator. This symmetry is a key to understanding what creates the PDO."

10. Bericht ACIA und die Darstellung der Temperaturen in Alaska:
Einzelne ausgewählte Temperaturerhöhungen werden angeführt (8, S.12). Ein räumlicher oder zeitlicher Überblick der Temperaturentwicklung wird nicht gegeben.
Darüberhinaus wird versucht den Nachweis einer Erwärmung in Alaska indirekt zu führen: Auftauen von Permafrostböden, Veränderungen in der Vegetation, bei Gletschern, Schneebedeckung am ausgewählten Ort, etc.
Eine Grafik über die Zeitpunkte des Eisbrechens bei der berühmten Nenana-Eiswette wird gezeigt (8, S.75). In dieser Grafik ist ein Temperatursprung von 1976 kaum zu erkennen, da der Zeitpunkt des Eisbrechens nicht nur von der Temperatur, sondern auch noch von anderen Faktoren abhängt (Wind, Niederschläge, Wasserstand, Abwärme z.B. von Fairbanks, etc.).

11. WWF v. 07.11.2004: Bald Ananas aus Alaska? Die Arktis schmilzt und die Industriestaaten schauen zu
 

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