KlimaNotizen – ergänzende Infos zum Klimawandel

Der Gletscherblues
Grosser Aletsch - vor und zurück im Rhythmus von Jahrhunderten.

Liebe Leser,

der Sommer 2003 bescherte Westeuropa Rekordwärme. Betroffen waren davon auch die Alpengletscher. Größere Eismassen flossen davon. Der Rückzug der Gletscher erreichte neue Höchstwerte. Oft entsteht der Eindruck, dass es sich um eine neue Erscheinung unserer heutigen Zeit handelt.

Das wirft die Frage auf: Wie war das eigentlich früher ? Wie und wann sind die Gletscher geschrumpft und gewachsen ? Wie war die Situation zu Zeiten, als die Menschen noch viel zu unbedeutend waren, um durch ihre Lebensweise Einfluss auf die Gletscher ausüben zu können?

Zwei Forscher der Uni Zürich haben die Geschichte des größten Alpengletschers Grosser Aletsch untersucht und ihre Ergebnisse im April 2003 veröffentlicht.

Die Ergebnisse sind erstaunlich. Dem heißen Sommer 2003 entsprachen damals ebenso hitzige Medienberichte, in denen häufig das Menetekel einer Klimakatastrofe beschrieben wurde.
Doch die Ergebnisse dieser Studie kamen nicht vor. Bei einer eigenen Meinungsbildung sollte sie mit einbezogen werden.

Womit das hier also ein Thema für diesen Newsletter ist.

Weitere Themen für den Newsletter sind in der Warteschlange.
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Für Infos, Anregungen und Meinungen bin ich dankbar.

Mehr gibt es außerdem auf der Homepage: www.KlimaNotizen.de

Mit besten Grüßen

Klaus Öllerer
info@KlimaNotizen.de

 

Der Gletscherblues
Großer Aletsch - vor und zurück im Rhythmus von Jahrhunderten.

         1856         heute

Wielfried Haeberli und Hanspeter Holzhauser von der Uni Zürich haben die letzten 2000 Jahre im "Leben" des größten Alpengletschers Grosser Aletsch untersucht und im April 2003 veröffentlicht.

Vorstoß und Rückzug des Gletschers wurden in einer Grafik aufgetragen.


Erklärung: Rote Balken stehen für Rückzug und blaue für Vorstoß. Unten =Rückzug, Oben=Vorstoß. Die rechte Skala zeigt die Gletscherbewegung in Metern und die linke die zugehörigen Jahreszahlen. Geglättet wurde über 50 Jahre.

Es ist deutlich zu erkennen, dass es Zyklen gibt in denen der Gletscher wächst und schrumpft.

In den letzten 2000 Jahren gab es drei in etwa gleich starke Minima: Heute, im 8. und im 1. Jahrhundert.

Der heutige Rückzug begann um 1850 völlig unabhängig vom Menschen und dauert an. Er entspricht etwa den beiden großen Vorgängern im 8. und 1. Jahrhundert. Dies spricht eher für einen natürlichen Zyklus.

Früher ging es schon einmal ganz schön schnell: Wie man in obiger Grafik sieht, fand zwischen 700 und 750 ein 2000 m langer Rückzug in Rekordzeit von nur 50 Jahren statt.
Seit 1980 hat sich der Gletscherrückzug beschleunigt. Es ist möglich, dass das Minimum des ersten Jahrhunderts, als es in Europa deutlich wärmer war, noch erreicht oder überschritten wird.

Liegt der heutige Gletscherrückzug außerhalb der natürlichen Variabilität ?
Bei einem weiteren Rückzug werden vermutlich noch ältere fossile Funde frei gelegt werden. Daraus wird man dann erkennen können, zu welchen Zeiten der Grosse Aletsch noch weiter geschrumpft war. Aus anderen Studien1 ergibt sich derzeit, dass vor dem Jahre Null der Grosse Aletsch noch weiter geschrumpft gewesen sein muss und das “die Alpen während der letzten zehntausend Jahre wiederholt nahezu frei von Gletschern waren.” 2

Die beiden Autoren sehen in der Erwärmung des 20. Jahrhunderts und einer stärkeren Erwärmung in den letzten 20 Jahren die Ursache für den Gletscherrückzug. Aus anderen Quellen ergibt sich, dass neben der Erwärmung auch veränderte Niederschläge zu den Hauptfaktoren der Gletscherentwicklung gehören.
Ob der Mensch in den letzten Jahrzehnten zum Rückzug beigetragen hat, kann hier aus den Daten nicht geschlossen werden.

Einem anderen Eisschwund haben wir einen der spektakulärsten Funde der letzten Jahre zu verdanken:
Als Ötzi sich zum Sterben vor 5300 Jahren niederlegte oder niedergelegt wurde, war der Sterbeort in den Ötztaler Alpen eisfrei - ähnlich wie heute.3

30.04.2004

Klaus Öllerer

Wielfried Haeberli und Hanspeter Holzhauser,
PAGES NEWS,VOL.11,N °1,APRIL 2003, Seite 13-15
Alpine Glacier Mass Changes During the Past Two Millennia

1) Andere Studien (Wanner et al., 2000) zeigen stärkere Gletscherrückzüge in der Zeit bis -3200 als im Jahre 0.
2) BMBF-Studie: "Herausforderung Klimawandel - Bestandsaufnahme und Perspektiven der Klimaforschung" von 2003, S. 43:
“...Rekonstruktionen belegen,dass die Alpen während der letzten zehntausend Jahre wiederholt nahezu frei von Gletschern waren....”
www.bmbf.de/pub/klimawandel.pdf
3) Aus der Ausstellung Ötzi Cultour, die vom 03.03.2004 bis 27.06.2004 in Hannover stattfindet.

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