31.08.2005, aktuelle Ergänzung: Hurrikans in der Vergangenheit -> mehr
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KlimaNotizen – ergänzende Infos zum Klimawandel

Wetterextreme :
Hurrikans - Katastrophen aus dem Nichts
 

Liebe Leser,

in diesem Sommer hat es die Karibik schlimm erwischt. Ein Hurrikan nach dem anderen wurde sozusagen aus dem Nichts geboren und brachte Zerstörung und Elend über die karibischen Inseln und den Süden der Vereinigten Staaten.

Bundesumweltminister Jürgen Trittin nahm diese Naturereignisse zum Anlass die USA aufzufordern dem Kyoto-Protokoll beizutreten.(1) Das klingt so, als ob dadurch das Auftreten von Hurrikans vermindert werden könnte.

Das wirft Fragen auf :
Haben Hurrikans zugenommen ? Gibt es mehr davon in einer wärmeren Welt ? Hat Jürgen Trittin Recht ?

Das sind die Fragen, denen dieser Newsletter nachgeht.
Weitere Themen sind bereits in der Warteschlange.
...
Für Infos, Anregungen und Meinungen bin ich dankbar.
Mehr gibt es außerdem auf der Homepage:
www.KlimaNotizen.de

Mit besten Grüßen

Klaus Öllerer
info@KlimaNotizen.de

 

Wetterextreme :
Hurrikans - Katastrophen aus dem Nichts

Was sind Hurrikans ?
Haben Hurrikans zugenommen ?
Wird es mehr Hurrikans in einer wärmeren Welt geben ?
Warum sind die gegenwärtigen Hurrikans so verheerend ?
Standpunkte
(Trittin, Greenpeace, Töpfer)
Hurrikans bewirken sogar Gutes

Hurrikans im Atlantik werden erst seit 60 Jahren lückenlos beobachtet. In diesem Zeitraum ist kein langfristiger Trend zu erkennen. Ein Zusammenhang zwischen Globaler Erwärmung und dem Auftreten von Hurrikans ist spekulativ. Hurrikans haben sogar nützliche Funktionen in der Natur.

Was sind Hurrikans ?
Hurrikans sind rotierende Stürme, die einen Durchmesser von 500 km erreichen können. Im Zentrum, dem Auge mit 15-30 km Größe, ist es windstill. Weiter außen können Windgeschwindigkeiten mit großer Zerstörungskraft von über 200 km/h entstehen. Starke Niederschläge gehören zum Erscheinungsbild. Je nach Windgeschwindigkeit werden sie in drei Kategorien eingeteilt: Tropisches Tief (weniger als 61 km/h), Tropischer Sturm (mehr als 61 km/h) und Hurrikans bzw. Taifune (117 km/h und mehr).


Hurrikan in Aktion (2)

Hurrikans können nur unter bestimmten Bedingungen über dem Meer entstehen. Dazu gehört u.a. eine Wassertemperatur von mindestens 26,5 oC. Sie treten auf zwischen den Breitengraden 25oS und 25oN unter Mitwirkung der Corioliskraft als Folge der Erdumdrehung. Daher sind Hurrikans nördlich des Äquators linksdrehend und südlich rechtsdrehend. Es gibt komplexe Wechselwirkungen mit atmosphärischen Strömungen und die pazifische El Niño-Southern Oscillation (ENSO) hat auch einen Einfluss.

Die Stärke der Stürme wird nach der Saffir-Simpson-Skala eingestuft. Als Maßstab gilt die mittlere Windgeschwindigkeit.
Tropisches Tief: bis 61 km/h
Tropischer Sturm: 62 bis 117 km/h
Hurrikan 1: 118 bis 153 km/h
Hurrikan 2: 154 bis 178 km/h
Hurrikan 3: 179 bis 210 km/h
Hurrikan 4: 211 bis 249 km/h
Hurrikan 5: 250 km/h und mehr

Neben der Windgeschwindigkeit wird die Gefährlichkeit auch wesentlich von der Ausdehnung und der Richtung bestimmt.

Seit 1944 werden im Atlantik Hurrikans systematisch mit Hilfe von Flugzeugen beobachtet und lückenlos erfasst.

Hurrikan Mitch 1998 (man beachte: linksdrehend)

Haben Hurrikans zugenommen ?
Die lückenlose Beobachtung der atlantischen Hurrikans ist erst 60 Jahre alt. Das ist ein sehr kurzer Zeitraum. Es ist praktisch nicht möglich zu beurteilen, ob das Auftreten von Hurrikans in den letzten Jahrzehnten innerhalb oder außerhalb der natürlichen Variabilität liegt.

Major Hurrikans (Saffir-Simpson Scale 3, 4, or 5) 1944-2003 (3)
große Grafik

Die Grafik stellt die Häufigkeit der Hurrikans mit der Stärke 3-5 dar. Weder hier noch bei der Gesamtzahl aller Hurrikans lässt sich ein langfristiger Trend ablesen. Es ist eher ein Zyklus von 25-40 Jahren zu erkennen, der zwischen aktiven und ruhigen Phasen wechselt. Vielleicht ist seit 1995 eine aktive Phase im Gange, die eventuell 25-40 Jahre dauert. Die ruhige Phase von 1965 bis 1994 scheint die Folge von kühleren Meeresströmungen zu sein. Mehr Forschung erscheint notwendig. (4)

Das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) der UNO stellt fest, dass es keinen zwingenden Schluss gibt, dass sich die Charakteristik von tropischen und außertropischen Stürmen geändert hat. In der südlichen Hemisphäre deuten die wenigen Daten auf ein geringeres Vorkommen von Tropischen Stürmen seit den 70ern hin.(7)

Wird es mehr Hurrikans in einer wärmeren Welt geben ?
Das IPCC weist darauf hin, dass die vergangenen und zukünftigen Veränderungen bei tropischen Stürmen nach Ort und Häufigkeit unsicher sind. Es hält eine Zunahme von Spitzenwindgeschwindigkeiten und Niederschlägen für wahrscheinlich über einigen Gebieten.(7)

Die Forscher vom Atlantic Oceanographic and Meteorological Laboratory (AOML) kommen dagegen zu dem Schluss, dass es in einer wärmeren Welt kaum Änderungen im Auftreten der Hurrikans geben würde. So würde z.B. eine Erwärmung des Ozeans wahrscheinlich durch eine Verschiebung der Temperaturgrenze zur Entstehung von Hurrikans von 26.5 oC auf einen höheren Wert kompensiert werden.(5)

Warum sind die gegenwärtigen Hurrikans so verheerend ?
Derzeit zieht ein verheerender Hurrikan nach dem anderen über die Karibischen Inseln: Charley, Frances, Ivan und Jeanne werden nicht die letzten gewesen sein. Denn noch ist die Hurrikan-Saison nicht zu Ende.
Es ist also noch zu früh um Bilanz zu ziehen. Die Anzahl alleine ist bisher nicht ungewöhnlich.
Die besondere Schwere ergibt sich aus der Bahn, die die Hurrikane nehmen. Dieses Mal ziehen viele über bewohnte Gebiete. Das war z.B 2001 anders. Aus unten stehender Grafik ist zu erkennen, dass beispielsweise 2001 von sieben Hurrikans im Wesentlichen nur einer über Land zog.

Fast alle Hurrikans (rot) blieben 2001 über dem Wasser. Ausgerechnet der stärkste - Michelle mit der Stärke 4 - zog über Kuba und bewirkte die schlimmsten Zerstörungen seit 1952.(10)
große Grafik

Standpunkte
Bundesumweltminister Jürgen Trittin
Unter dem Eindruck der tropischen Wirbelstürme "Ivan" und "Jeanne" hat Bundesumweltminister Jürgen Trittin an die US-Regierung appelliert, mehr für den Klimaschutz zu tun. ... (und) das Kyoto-Protokoll zu ratifizieren ...(1)
Jürgen Trittin spekuliert hier, wenn er die gegenwärtigen und/oder die zukünftigen Hurrikans mit den Folgen der Erwärmung in Verbindung bringt. Wissenschaftlich abgesichert ist das nicht.
Das Kyoto-Protokoll ist nach einhelliger wissenschaftlicher Meinung klimatisch nahezu unwirksam (Newsletter 2) und daher nicht geeignet Hurrikans einzudämmen. Die Betroffenen wären doppelt betroffen: Einerseits müssten sie die Folgen der Hurrikans weiterhin tragen und andererseits zusätzlich die Kosten für die Umsetzung des Kyotoprotokolls aufbringen.

Greenpeace
Zwischen 1994 und 1998 gab es mehr Wirbelstürme im Atlantik als je zuvor.(8)
Das ist das einzige Argument, mit dem Greenpeace hier versucht seine Sicht der Zunahme von Wirbelstürmen im Atlantik zu belegen.
Dem Leser werden die Ansicht der Fachleute vorenthalten, dass es keinen langfristigen Trend gibt, sondern dass es sich höchstwahrscheinlich um einen Zyklus handelt und dass der Beobachtungszeitraum erst einige Jahrzehnte beträgt.

Klaus Töpfer, UNEP-Exekutivdirektor (8)
Als eine Folge des weltweiten Klimawandels werden Phänomene wie beispielsweise El Niño, der zu Katastrophen wie dem Wirbelsturm Mitch beigetragen hat, immer wieder auftreten.
Hier irrt Herr Töpfer.
El Nino tritt ganz natürlich alle 3-5 Jahre auf und das schon seit einigen tausend Jahren. Es gibt keinen gesicherten Zusammenhang zwischen einer wärmeren Welt und einer Zunahme der El Nino Ereignisse. Das IPCC stellt fest, dass Modelle und Theorien keine eindeutigen Prognosen erlauben.(9)
In El Nino Jahren gibt es weniger Hurrikans als sonst.(11)

Hurrikans bewirken sogar Gutes
Sind die Folgen der Hurrikans für die Menschen der betroffenen Weltgegenden auch verheerend, so haben sie doch im Gesamtgefüge der Natur auch eine positive Funktion: Wie sich zeigte, nahm in der Zeit nach dem Tropensturm die Artenvielfalt stark zu. Parallel dazu veränderte sich die Absolutzahl der Tiere innerhalb der Arten - der Sturm habe verhindert, dass Raubtierarten auf Kosten anderer Arten zu sehr überhand nehmen, sagt Hughes. Auch Herb Austin vom Virginia-Institut für Meereswissenschaft (Vims) in Gloucester Point hält Hurrikans für einen Teil der natürlichen Kreisläufe: "Ein Hurrikan ist so etwas wie ein Reinigungsprozess."
Damit erfüllen die tropischen Wirbelstürme eine ähnliche Funktion wie Waldbrände, die mehr oder weniger regelmäßig alte Vegetation zerstören und so Platz schaffen und Nährstoffe bereitstellen für neue Pflanzen. (
6)

Eine umfassende Darstellung über Hurrikans mit einer umfangreichen “Frequently Asked Question” (FAQ) gibt es beim Tropical Prediction Center.

27.09.2004

Klaus Öllerer

Quellen:

1. IVAN
Trittin: USA sollen mehr für Klimaschutz tun
Wirbelstürme verursachen immer höhere Kosten
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/politik/377981.html

2. Atlantic Oceanographic and Meteorological Laboratory (AOML)
http://www.aoml.noaa.gov/hrd/tcfaq/A1.html

3. Tropical Cyclone Records
http://www.aoml.noaa.gov/hrd/tcfaq/tcfaqEdiaIH.html

4. Atlantic Oceanographic and Meteorological Laboratory (AOML)
G4) Are we getting stronger and more frequent hurricanes, typhoons, and tropical cyclones in the last several years?
“Instead of seeing a long-term trend up or down, we do see a quasi-cyclic multi-decade regime that alternates between active and quiet phases for major Atlantic hurricanes on the scale of 25-40 years each. ...It is quite possible that the extreme activity since 1995 marks the start of another active period that may last a total of 25-40 years. More research is needed to better understand these hurricane "cycles".”

5. Atlantic Oceanographic and Meteorological Laboratory (AOML)
G3) What may happen with tropical cyclone activity due to global warming? ...

6. Welt v. 24.04.2004
Hurrikans fördern die Artenvielfalt

7. IPCC 2001, Technical Summary
“There is no compelling evidence to indicate that the
characteristics of tropical and extratropical storms have
changed. Changes in tropical storm intensity and frequency
are dominated by interdecadal to multidecadal variations, ...
... In the Southern Hemisphere, fewer
analyses have been completed, but they suggest a decrease in
extra-tropical cyclone activity since the 1970s. ...”

8. Greenpace: Die Entstehung von Wirbelstürmen
Erklärung von UNEP-Exekutivdirektor Klaus Töpfer zum Weltumwelttag, 5. Juni 1999:
"Als eine Folge des weltweiten Klimawandels werden Phänomene wie beispielsweise El Niño, der zu Katastrophen wie dem Wirbelsturm Mitch beigetragen hat, immer wieder auftreten. Und sie werden Verwüstung und Elend hinterlassen, wenn wir uns nicht vorbereiten."

9. zitiert in Apocalypse No!, S. 340, Erste Auflage 2002, Folgen: Wetteranomalien
ISBN 3-934920-18-7

10. THE 2001 ATLANTIC HURRICANE SEASON
Bitte Hurricane Michelle anclicken

11. William Gray, Department of Atmospheric Sciences, Colorado State University, Fort Collins, Colorado
The Use of ENSO Information in Hurricane Forecasting

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